
Aufbauender Musikunterricht ist - zumindest in der deutschsprachigen Musikpädagogik - dahingehend einzigartig, dass hier erstmals seit der Nachkriegszeit der Musikunterricht vom Kopf auf die Füße gestellt wird. Dabei berücksichtigt der Aufbauende Musikunterricht alle lernpsychologischen und bildungstheoretischen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte und richtet sich in allen seinen Komponenten an dem Leitziel aus:
Musikunterricht in der allgemein bildenden Schule soll u. a. das Interesse der Schüler an der Entdeckung und Entfaltung ihrer eigenen Stimme und Musikalität fördern, denn: Jedes Kind kann singen und macht es gerne, besonders, wenn es spielerisch und fachkundig herangeführt wird.
Dabei folgt der Aufbauende Musikunterricht vor allem folgenden Prinzipien: - Das Lernen von Musik muss vor dem Lernen über Musik stattfinden.
- Die Entwicklung musikalischer Fähigkeiten, das gemeinsame Singen und Musizieren sowie die Kulturerschließung bilden die drei Praxisfelder, die als bereits bestehende Wege sinnvoll kombiniert werden.
- Die Entwicklung musikalischer Fähigkeiten muss in sinnvoll aufeinander aufbauenden Schritten erfolgen.
- Gemeinsames Singen und Musizieren und die Erschließung von kulturellen Kontexten bauen auf erworbenen musikalischen Fähigkeiten auf.
Entwickelt wurde der Aufbauende Musikunterricht von führenden Musikpädagogen deutscher Musikhochschulen:
- Prof. Dr. phil. Stefan Gies (Rektor der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden)
- Prof. Dr. Werner Jank (Hochschule für Musik und Darst. Kunst Mannheim, Sprecher der musikpädagogischen Studiengänge, stv. Vorsitzender des AfS)
- Prof. Gero Schmidt-Oberländer (Prorektor der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar)
- Prof. Ortwin Nimczik (Bundesvorsitzender der VDS)
- Dr. Johannes Bär
- Hans-Ulrich Gallus (Hochschule für Musik und Darst. Kunst Mannheim, Lehrbeauftragter Klassenmusizieren, Instrumentalklassenleiter)
in enger Kooperation mit
- Prof. Dr. Mechtild Fuchs (PH Freiburg)
Musizieren und musikbezogenes Handeln sind die "Fundamentalkategorien" musikalischer Erfahrung. Die Schüler lernen - wie bei einer modernen Fremdsprache - den aktiven, produktiven Umgang mit Musik und erfahren den "Nutzwert" des Gelernten. Der "Patchwork-Musikunterricht" mit der Beliebigkeit der Themen und ihrer Reihenfolge wird abgelöst durch sinnvolle Lernsequenzen. Zusätzlich bündeln musikalische Vorhaben mit Präsentationscharakter (kleine Vorspiele und Auftritte, musikalische Projekte etc.) die erworbenen Fähigkeiten und wenden sie in der Praxis an. Grundsätzlich kann man sagen: Das Primat des Hörens gilt nicht mehr. Beim Aufbauenden Musikunterricht wird Musik nicht nur rezipiert (gehört und beurteilt) und reproduziert (Nachsingen und -spielen von existierender Musik), sondern auch produziert, d. h. die Kinder können mit Hilfe ihrer erworbenen Fähigkeiten auch Musik selbst erfinden und ausführen, sei es improvisierend oder schreibend (komponierend).
Am Beispiel der Pyramide des Aufbaus vokaler Fähigkeiten wird die Stringenz vor allem im Aufbau musikalischer Fähigkeiten deutlich:


|